Bir, iki üç – Welche Sprachen treffen sich im Kindergarten?

In der element-i-Konzeption ist die Würdigung anderer Sprachen ausdrücklich verankert. Dort heißt es: „Die natürliche Mehrsprachigkeit der Kinder wird … wertgeschätzt. Im Alltag werden (…) fremde Sprachen und Kulturen mit einbezogen …“ (element-i-Konzeption, S. 20).

Andere Sprachen und Kulturen willkommen heißen

Die Bildungspläne der Bundesländer weisen kulturelle Vielfalt als wichtigen Bezugsrahmen aus. Warum ist das so wichtig?

Kinder aus anderen Kulturen erleben sensibel, ob ihre Muttersprachen willkommen sind und einen Raum in der Kita finden. Nicht nur die Autorin Michaela Ulich weist darauf hin, dass die Wertschätzung der Familiensprache für die Entwicklung des Selbstbildes und Selbstbewusstseins zentral ist (vgl. Ulich, S. 32). Jedoch können alle Kinder von den vielen Sprachen in den Kinderhäusern profitieren.

Sprachentwicklung und kulturelle Aufgeschlossenheit

Ein Kind probiert sich aus, wenn es versucht, in einer anderen Sprache zu zählen. Meine Tochter brachte von mehr als zwei Jahrzehnten die Zahlen von 1-10 auf Türkisch mit nach Hause. Sie kann heute noch auf Türkisch bis zehn oder darüber hinaus zählen! Andere Sprachen zu hören und – wenn auch nur begrenzt – kennenzulernen, fördert eine Bewusstheit für andere Sprachen. In meiner Verwandtschaft gibt es zwei Kinder, die zweisprachig aufgewachsen sind. Sie haben ihre ersten Lebensjahre in der Türkei verbracht. Heute sprechen sie neben ihren zwei Muttersprachen Türkisch und Englisch. Welch ein Schatz!

Verbunden mit weiteren Informationen über die jeweilige Kultur (Essen, Feste, Werte, Rituale …) entwickelt sich – ganz nebenbei – eine kulturelle Aufgeschlossenheit. Diese ist sowohl im Orientierungsplan von Baden-Württemberg als auch im Bayerischen Bildungsplan und in den Bildungsgrundsätzen von NRW eingebunden und wird den Kitas als ein Erziehungsziel nahegelegt.

Sie sind an der Reihe!

Na dann man los: Welche Sprachen sprechen die Kinder in Ihren Einrichtungen? Finden Eltern, Kinder und Besucher*innen Spuren anderer Kulturen in der Kita – z.B. als Wand-Dokumentation oder Mobile mit kleinen Steckbriefen aus den vielen Kulturen? Haben Sie schon einmal ein Projekt mit den Kindern initiiert und sich auf die Suche nach den Sprachen oder auch Kulturen der Kinder gemacht? Kennen Sie die Zahlen, die Begrüßungsworte in mindestens vier Sprachen? Wie singt sich der altbekannte „Bruder Jacob“ auf Polnisch? Verbinden Sie solche Sprach-Reisen mit Bewegung und Tanz und Rhythmik? Haben Sie im Team schon einmal diskutiert, wie kulturelle Aufgeschlossenheit und Verbundenheit – eine unserer fünf Leitlinien – zusammenhängen? Was steht im Bildungsplan Ihres Bundeslandes zum Thema sprachliche Vielfalt?

Wenn ich die Fragen so lese, bekomme ich Lust, Sie nach der Wiedereröffnung in den Kitas zu besuchen, die Freude, die sich beim gemeinsamen Singen, Tanzen und Klatschen in mehreren Sprachen einstellt, zu teilen. Worauf warten Sie noch?

Literatur:

Kammerlander, Carola; Rehn, Marcus; Pädagogischer Leitungskreis (2018): element-i – Pädagogische Konzeption der element-i- Kinderhäuser

Ulich, Michaela; Oberhuemer, Pamela; Soltendieck, Monika (2017): Die Welt trifft sich im Kindergarten. Interkulturelle Arbeit und Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen. 6. Auflage. Cornelsen, Berlin

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Christina Henning
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