Die Säulen der Resilienz: Lösungsorientierung

Was wäre, wenn … ? Was wäre, wenn jede Herausforderung im Kita-Alltag wie ein kniffeliges Rätsel betrachtet würde? Ein Rätsel, das gelöst werden will. Ob Fachkraft, Kind oder Köchin: Alle fiebern mit und werden zur kreativen Problemlöser:in? Wie würde sich das auf das Miteinander, das Lernen und die Stimmung auswirken? Genau hier setzt die Lösungsorientierung an – eine der kraftvollsten Säulen der Resilienz, die den Kita-Alltag nicht nur erleichtert, sondern auch bereichert.

Lösungsorientierung ist weit mehr als eine Methode oder ein pädagogischer Kniff. Sie ist eine innere Haltung, die dazu einlädt, den Blick von den Problemen weg und hin zu den Möglichkeiten zu lenken. Anstatt sich von Schwierigkeiten entmutigen zu lassen, werden Kinder und Erwachsene ermutigt, gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie eine Situation verbessert werden kann. Das verändert nicht nur die Perspektive, sondern auch die Dynamik im Team und die Stimmung bei den Kindern.

Im Folgenden erfahren Sie, wie Lösungsorientierung konkret im Kita-Alltag gelebt werden kann, warum sie für die Entwicklung von Kindern so bedeutsam ist und wie Sie als Leitung oder Fachkraft diese Haltung im Team und bei den Kindern stärken können. Praxisbeispiele und erprobte Methoden zeigen, wie aus Problemen Chancen werden – und wie Sie gemeinsam mit Ihrem Team eine resiliente, zuversichtliche Kita-Kultur gestalten können.

Was bedeutet Lösungsorientierung?

Was wäre, wenn Probleme keine Stolpersteine wären, sondern Sprungbretter für Entwicklung und Wachstum? Genau das ermöglicht eine lösungsorientierte Haltung im Kita-Alltag. Wie gelingt es uns im Alltag, den Blick bewusst auf Lösungen zu richten, und welche Methoden helfen uns dabei, lösungsorientiert zu bleiben?

Lösungsorientierung beschreibt die Fähigkeit, Herausforderungen aktiv anzugehen, kreative Wege zu suchen und sich nicht von Schwierigkeiten lähmen zu lassen. Es geht darum, zu fragen: „Was kann ich tun?“ – und nicht ausschließlich: „Warum ist das passiert?“ Resiliente Menschen betrachten Probleme als Chancen zur Weiterentwicklung und behalten dabei die Kontrolle über ihr Handeln. Für Kinder bedeutet dies, dass sie lernen, flexibel und kreativ zu denken, eigene Lösungen für Alltagsprobleme zu finden und so ihr Selbstvertrauen sowie ihre Selbstwirksamkeit zu stärken. Wie können wir Kinder weiter darin unterstützen, eigene Lösungen zu entwickeln? Indem wir ihnen im Kita-Alltag Raum geben, verschiedene Wege auszuprobieren, gemeinsam nach Antworten zu suchen und Erfolge wertzuschätzen – so wird Lösungsorientierung erlebbar und nachhaltig gefördert.

Wie kann dies gelingen?

Es gibt im Alltag verschiedene Settings, wie die Perspektive proaktiv auf die Lösung gerichtet werden kann. Dazu drei Beispiele:

Konfliktlösung im Team und mit Kindern

Konflikte zwischen Kindern sind alltäglich. Statt Schuldige zu suchen, wird gemeinsam überlegt: „Wie können wir das Problem lösen?“ Die Erzieher:in moderiert das Gespräch, stellt offene Fragen – z.B. „Was könnten wir jetzt tun?“ – und unterstützt die Kinder dabei, eigene Vorschläge zu entwickeln. So erleben Kinder, dass sie aktiv zur Lösung beitragen können. Ein vergleichbares Vorgehen können die pädagogischen Kräfte in der Teamsitzung oder auch im Alltag für sich einüben.

Kreative Projekte und Problemlöseaufgaben

Projekte, bei denen Kinder gemeinsam Lösungen entwickeln müssen, fördern lösungsorientiertes Denken. Beispiele sind das Bauen eines Turms aus Alltagsmaterialien oder das Lösen von Rätseln in Kleingruppen. Die Kinder werden ermutigt, verschiedene Ansätze auszuprobieren, Fehler als Lernchance zu sehen und gemeinsam zum Ziel zu kommen, mit folgenden Fragen: „Wie können wir zusammenarbeiten, damit es gut funktioniert?“, „Welche Ideen können wir beim nächsten Mal ausprobieren?“

Reflexion und Zielfindung im pädagogischen Team

Auch für das Team ist Lösungsorientierung eine wichtige Ressource. In Teamsitzungen kann gezielt gefragt werden: „Was ist unser Ziel?“ und „Was können wir konkret tun, um eine Herausforderung zu bewältigen?“ Der Fokus liegt auf den nächsten Schritten, nicht auf der Analyse von Fehlern. Das stärkt den Zusammenhalt und die Handlungsfähigkeit des Teams.

Gerade für Leitungen und Teams ist eine lösungsorientierte Grundhaltung entscheidend, um den oft herausfordernden Kita-Alltag zu meistern. Sie hilft, aus der Problemtrance auszusteigen, sich nicht in Schuldzuweisungen zu verlieren. Stattdessen schauen alle gemeinsam nach vorn. Lösungsorientierung kann im Team durch regelmäßige Reflexion, kollegiale Beratung und gezielte Fortbildungen gestärkt werden. Dafür sollten klare Zeiten vereinbart werden, nebenbei lassen sich die Methoden nicht verankern.

Lösungsorientierung stärkt die psychische Widerstandskraft von Kindern und Erwachsenen, fördert Kreativität, Selbstwirksamkeit und Teamgeist. Indem wir den Fokus auf eine oder mehrere Lösungen richten, schaffen wir eine Umgebung, in der Herausforderungen als Chancen erlebt werden – für Wachstum, Entwicklung und ein gelingendes Miteinander. Sie wird für Kinder dann erlebbar und sichtbar, wenn sie im Alltag nicht nur als Haltung der Fachkräfte spürbar ist, sondern aktiv und kindgerecht gestaltet wird. Sichtbarkeit entsteht durch konkrete Handlungen, Rituale und Methoden, die Kinder einbeziehen und ihnen ermöglichen, ihre eigenen Lösungswege zu entdecken und zu zeigen, wie Sie im nebenstehenden Kasten nachlesen können.

Methoden zur Förderung von Lösungsorientierung

Offene Fragetechniken

Führen Sie Gespräche mit Kindern so, dass Sie offene, lösungsorientierte Fragen stellen: „Was könnten wir tun, damit es dir morgen besser geht?“ oder „Welche Idee hast du, damit ihr euch wieder vertragt?“ Solche Fragen laden Kinder ein, eigene Lösungen zu entwickeln und diese auch im Alltag zu zeigen. Statt „Warum hat das nicht geklappt?“ lieber fragen: „Was könnten wir das nächste Mal anders machen?“ oder „Welche Ideen habt ihr, damit es besser läuft?“

Ressourcenfokus

Den Blick auf das richten, was bereits funktioniert hat, und diese Stärken gezielt ausbauen. Dafür eignet sich z.B. die so genannte Ressourcenblume: Jedes Kind malt eine Blume, in deren Blütenblätter es Dinge malt oder einem Erwachsenen diktiert, die ihm schon einmal geholfen haben, ein Problem zu lösen.

Fehler als Lernchance

Fehler werden nicht als Scheitern betrachtet, sondern als Möglichkeit, neue Wege zu entdecken. Das kann mit den „Lösungsdetektiven“ gelingen: Die Kinder bekommen eine kleine Herausforderung (z. B. ein Bauwerk ist eingestürzt) und überlegen gemeinsam, wie sie das Problem lösen können. Jede Idee wird wertgeschätzt und ausprobiert.

Visualisierung von Lösungen

Nutzen Sie gemeinsam mit den Kindern Bildkarten, Symbole oder Poster, um verschiedene Lösungswege bei Konflikten oder Herausforderungen darzustellen. So können Kinder sehen, welche Möglichkeiten sie haben, und sich aktiv für eine Lösung entscheiden. Beispielsweise können Symbolkarten (wie ein Löwe für Mut oder eine Brücke für Verbindung) genutzt werden, um Lösungsstrategien zu besprechen und sichtbar zu machen.

Dokumentieren Sie gemeinsam mit den Kindern ihre Lösungswege in individuellen Portfolios. Halten Sie mit Fotos, Zeichnungen oder kurzen Texten fest, wie ein Kind ein Problem gelöst hat – etwa beim Bauen, im Rollenspiel oder im Umgang mit anderen Kindern. Diese Dokumentation macht Fortschritte und Erfolge sichtbar und stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder.

Partizipation

Kinder aktiv in Entscheidungsprozesse einbeziehen, damit sie erleben, dass ihre Ideen und Vorschläge zählen. „Was tun, wenn…“-Karten: Im Erzählkreis werden Situationen besprochen, zum Beispiel zum Thema „Was tun, wenn ich mich ausgeschlossen fühle?“. Die Kinder werden eingeladen, gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu sammeln. Nutzen Sie Rollenspiele, um gemeinsam mit den Kindern verschiedene Lösungswege auszuprobieren. Geschichten, in denen Figuren Herausforderungen meistern, regen Kinder an, eigene Lösungsansätze zu entwickeln und zu präsentieren.

Mehr von Barbara Schmieder

Literatur 

Mauritz, Sebastian (2021): Sieben Säulen der Resilienz nach Ursula Nuber. Abrufbar unter: https://www.resilienz-akademie.com/resilienz-staerken/nuber-sieben-saeulen/ (zuletzt aufgerufen am 30.05.2025) 

Rönnau-Böse, Meike; Fröhlich-Gildhoff, Klaus (2024): Resilienz und Resilienzförderung über die Lebensspanne. Kohlhammer: Stuttgart.  

Wybronik, Irit (2016): Wie man ein Kind stärken kann. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen. 

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