Kindertageseinrichtungen gelten schon lange nicht mehr nur als ein Ort für die Betreuung und Bewahrung von Kindern. Sie werden auch als Ort für Erziehung und Bildung angesehen. Kinder erhalten durch gezielte Impulse, Angebote und eine anregende Umgebung zahlreiche Gelegenheiten, sich zu entwickeln und sich die Welt anzueignen. Die pädagogischen Fachkräfte legen damit einen wesentlichen Grundstein für die weitere Bildungskarriere der Kinder.
Kita als Bildungsort spricht jedoch nicht nur die Kinder an. Auch für Eltern kann die Kita eine wertvolle Quelle zur Orientierung sein – besonders in einer Zeit, in der Einflüsse durch (soziale) Medien auf (teils junge) Eltern einströmen, Ratgeber und pädagogische Trends, gepaart mit einer immensen Globalisierung und einem zunehmenden Wertepluralismus.
Warum Elternbildung ein zentraler Bestandteil pädagogischer Arbeit ist?
Der Auftrag, Eltern ins Bildungsangebot einzubeziehen, ergibt sich auch aus § 22 im 8. Sozialgesetzbuch. Kindertageseinrichtungen sind demnach u. a. insbesondere für Familienbildung und -beratung verantwortlich (vgl. Nolte, 2014, S. 4).
Über Angebote, die für Eltern zugeschnitten sind, wirken Kitas indirekt auf die Bildung und Erziehung der Kinder ein. Die Erkenntnisse nehmen die Eltern bestenfalls in ihr eigenes Handlungsrepertoire mit auf und passen ihr Erziehungsverhalten an.
Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für ihre Kinder – und gleichzeitig die ersten und dauerhaftesten Bildungsbegleiter. Während Kinder in der Kita gezielte Anregungen erhalten, begleitet die Familie den Alltag, prägt Werte, fördert Selbstständigkeit und gestaltet das soziale Miteinander. Die beiden Sozialisationsinstanzen ergänzen einander.
Gerade deshalb kommt Kitas eine besondere Rolle zu: Sie können Orientierung bieten, Wissen vermitteln, Unsicherheiten auffangen und Familien in ihrer Erziehungskompetenz stärken. Elternbildungsimpulse sind dabei kein „Add-on“, sondern ein fester Bestandteil des Bildungsauftrags. Sie ermöglichen es Familien, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, entwicklungspsychologische Grundlagen und alltagsnahe Anregungen sinnvoll in ihren eigenen Familienkontext zu integrieren.
Welche Chancen und welche Wirkung haben Elternbildungsimpulse?
Eltern erhalten durch Elternbildungsimpulse versiertes Hintergrundwissen zu pädagogischen Inhalten, das ihnen hilft, das Verhalten ihres Kindes besser einzuordnen. Das führt zu mehr Gelassenheit und fundierten Entscheidungen im Erziehungsalltag und einer Stärkung der Erziehungskompetenz. Die Kinder profitieren dadurch unmittelbar: durch klare Strukturen, feinfühlige Kommunikation und entwicklungsfördernde Impulse, die Eltern in ihren Alltag einbauen. Solch frühe Impulse wirken vorbeugend: Sie können Belastungen reduzieren, Risiken früh sichtbar machen und Eltern in herausfordernden Situationen stabilisieren.
Elternbildungsangebote schaffen darüber hinaus Gelegenheiten für Begegnung, zum einen zwischen Pädagog:innen und Eltern, zum anderen innerhalb der Elternschaft. Auf diesem Wege fördern sie Austausch, eröffnen verschiedene Perspektiven, entwickeln Vertrauen und ermöglichen echte Dialoge. Das stärkt die Zusammenarbeit und vermindert Missverständnisse, die Auslöser für Konflikte sein können. Die Begegnungen können für alle Familien von Vorteil sein und überwinden vermeintliche Unterschiede sozialer oder kultureller Art sowie sprachliche Barrieren.
Welche Formate bieten sich an?
Elternbildung muss nicht immer ein aufwendiges Projekt sein. Oft reichen kleine, alltagsnahe Impulse. Sinnvoll ist eine Mischung aus kurzen, niedrigschwelligen Angeboten und tiefergehenden Formaten. Vieles davon haben wir in unseren element-i Kinderhäusern bereits implementiert. Dennoch gibt es vielleicht noch die ein oder andere Anregung oder Ergänzung:
Kurze Impulsformate für den Alltag
- Wöchentliche Mini-Impulse (Aushang, Newsletter, Kita-App), in denen z. B. Tipps zur Sprachförderung, Spielideen, Hinweise zu Entwicklungsschritten gegeben werden.
- Elternbriefe (klassisch oder digital) bieten die Möglichkeit, leicht verständliche Infos zu Erziehungsthemen zu vermitteln.
- Informationen als Wanddokumentation zusammenstellen (bitte in Sichthöhe von Eltern anbringen) – Themen wie Trotzphase, Mediennutzung, Sauberkeitsentwicklung bieten Eltern die Möglichkeit, sich mit einem – für sie interessanten – Thema intensiver zu beschäftigen.
- Dies alles kann ergänzt werden mit Podcast- oder Videoempfehlungen, die Eltern mit wenig Zeit erreichen.
Dialogorientierte Formate
- Klassiker der Elternbildung sind Themenabende oder Workshops. Zweimal jährlich bieten die Formate Gelegenheit, sowohl Inhalte zu vermitteln als auch das Thema mit dem eigenen konzeptionellen Handeln zu verknüpfen. So kommen Pädagogen mit Eltern ins Gespräch.
- Elterncafés stellen einen ungezwungenen Rahmen für den Austausch dar. Moderiert durch Fachkräfte kommen Eltern miteinander ins Gespräch und bereichern sich gegenseitig mit ihren Erfahrungen.
- Wenn Eltern mit individuellen Fragen an die Pädagogen herantreten, ergänzen Kurzberatungen die jährlichen Elterngespräche. Viele Themen der kindlichen Entwicklung kommen unterjährig auf und halten sich nicht an den gedachten Zeitplan. Die Offenheit, mit Eltern zu konkreten Fragen ins Gespräch zu gehen, ist unerlässlich, wenn man die Thematik der Bildungspartnerschaft ernst nimmt.
- Hospitationsmöglichkeiten ermöglichen den Eltern das Erleben des Alltags in der Einrichtung. Eltern haben so die Chance, die pädagogische Ansätze durch den Blick in die Praxis besser zu verstehen und miteinander in den Austausch zu kommen.
Beteiligungsorientierte Formate
- Gemeinsame Projekte wie z. B. Bewegungswochen, Nachhaltigkeitsaktionen nutzen die Ressourcen, die in der Elternschaft schlummern. Die pädagogischen Fachkräfte nehmen die Eltern als Experten wahr. Zusätzlich verknüpfen sich für (einzelne) Kinder ihre Lebensrealitäten und weiten den Blick der Kinder über den Kita-Zaun hinaus aus.
- In Mitmachangeboten oder Elternimpulsen können Eltern ebenfalls ihre Expertise und ihr Engagement einbringen. Der Gewinn ist wie bei gemeinsamen Projekten wechselseitig.
Wie wähle ich passende Formate aus? – Ein praktischer Leitfaden
Die Auswahl geeigneter Elternbildungsformate sollte strategisch erfolgen und sich an den Bedarfen der Familien orientieren.
- Bedarf analysieren
- Was beschäftigt die Eltern aktuell?
- Welche Herausforderungen erleben die Fachkräfte?
- Welche Themen tauchen in Entwicklungsgesprächen häufig auf?
- Gibt es Zielgruppen, die schwer erreichbar sind?
- Rahmenbedingungen berücksichtigen
- Zeitressourcen der Eltern
- Zusammensetzung der Familien (z. B. Sprachen, kulturelle Hintergründe)
- räumliche und personelle Ressourcen der Einrichtung
- digitale Möglichkeiten
- Ziel definieren
Möchte ich die Eltern informieren, sensibilisieren, unterstützen, in Dialog mit ihnen kommen oder sie beteiligen?
- Passendes Format wählen
- Für Information: kurze Impulse, Infowände, Elternbriefe
- Für Dialog: Cafés, Workshops, Elternabende
- Für Vertiefung: Beratungsangebote
- Für Teilhabe: Projekte und Mitmachangebote
- Niedrigschwelligkeit sichern
- verständliche Sprache
- kurze Wege und klare Strukturen
- Angebote zu unterschiedlichen Uhrzeiten
- Kinderbetreuung, wenn möglich
- digitale Ergänzungen
- Reflexion und Weiterentwicklung nach jeder Maßnahme:
- Was hat gut funktioniert?
- Wer wurde erreicht – und wer nicht?
- Was wünschen sich Eltern für das nächste Mal?
Elternbildung als Haltung – nicht als Zusatzaufgabe
Impulse in der Elternbildung zu setzen, bedeutet nicht, den ohnehin vollen Kita-Alltag zusätzlich zu belasten. Es bedeutet vielmehr, eine Haltung einzunehmen: die Haltung, Familien als zentrale Partner im Bildungsprozess zu sehen. Wenn wir Eltern ernst nehmen, ihre Perspektiven einbeziehen und ihnen Wissen, Orientierung und Unterstützung anbieten, schaffen wir ein Netz, das Kinder dauerhaft trägt.
Pädagogische Fachkräfte bringen dafür bereits alles Wesentliche mit: Beobachtungsgabe, Empathie, Fachwissen und ein tiefes Verständnis kindlicher Entwicklung. Elternbildungsformate sind lediglich die Brücke, die dieses Wissen zugänglich macht – niedrigschwellig, wertschätzend und alltagsnah. Jede kleine Rückmeldung, jeder kurze Impuls, jedes Angebot kann dabei ein Funken sein, der im Familienalltag weiterleuchtet.
Gerade in einer Zeit, in der Eltern vielen Trends und Erwartungen ausgesetzt sind, braucht es Orte, die Orientierung und Sicherheit geben. Die Kita kann ein solcher Ort sein – bunt, lebendig, zugewandt. Ein Ort, an dem Eltern erleben: „Hier sind Menschen, die mein Kind sehen, die mich begleiten und uns als Familie stärken.“
Sich mit Elternbildung auseinanderzusetzen, kann das eigene Repertoire erweitern, die eigene pädagogische Haltung schärfen. So entsteht ein umfassender Bildungsauftrag. Denn Bildung beginnt nicht erst beim Kind – sie beginnt bei den Beziehungen, die wir gestalten. Wenn wir Eltern stärken, stärken wir Kinder. Und dabei gilt: #eskommtaufmichan. Darin liegt die große Chance unseres pädagogischen Handelns.
Literatur
Nolte, J. (2014): Sozialraum- und lebensweltorientierte Vernetzung und Kooperation. Verfügbar unter: https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_Nolte_2014.pdf: Abgerufen am 6.1.2026)