Mit Werkzeug im Wald – der Naturtag bei den Glems-Igeln

Der Natur-Tag ist bei den Glems-Igeln jeden Mittwoch ein fester Bestandteil unseres Wochenplans. Jedes Kind, das Lust darauf hat, ist herzlich eingeladen, daran teilzunehmen. Gemeinsam mit den Kindern haben die Pädagog:innen bei ihren Exkursionen den Schopfloch-Berg, am Rand vom Leonberger Ezach, entdeckt. Ein mit Gras bewachsener Hügel mit einer Lichtung und einem angrenzenden kleinen Waldstück. Dieser Ort wurde zum festen Platz für die Natur-Tage ausgewählt. Nachdem das Gelände ausgiebig erforscht wurde, haben die Kinder eine Stelle entdeckt, an der sie ihr Lager aufbauen wollen. So entstand über mehrere Wochen ein Tippi aus langen Ästen, an dem stetig weiter gebaut wird. Jeden Mittwochmorgen hört man im Kinderhaus Sätze wie: „Ich gehe zum Natur-Tag, da werde ich gebraucht!“ Ganz unter dem Motto „es kommt auf mich an“ erleben die Kinder, dass sie selbst etwas bewirken können und ein wichtiges Mitglied in einer Gemeinschaft sind.

Vom Entdecken zum gemeinsamen Gestalten in der Natur

Im Verlauf des Bauens am Tippi kam der Wunsch bei den Kindern auf, die Äste auf die richtige Länge zu kürzen, denn nicht jeder Ast passte für ihr Bauvorhaben. So wurde bei den nächsten Natur-Tagen eine Ast-Säge mit in den Wald genommen. Unter enger Begleitung eines Pädagogen können die Kinder ihr handwerkliches Geschick erproben. Wichtig ist uns Pädagog:innen dabei, mit den Kindern den Umgang mit unserer Umwelt zu besprechen. Wir wollen gerne die Natur für unser Vorhaben nutzen und ein Tippi bauen und gleichzeitig dabei achtgeben, dass wir die Natur schützen und nicht unnötig belasten. Dazu gehört auch, nicht wahllos Äste abzusägen, sondern zu schauen, welche Äste bereits abgefallen sind und sich für unsere Zwecke eignen.

Die Idee, Werkzeug in der Natur zu verwenden, ist mit jedem Natur-Tag weiter ausgereift. Es wurden Schnitzmesser besorgt, die künftig für weiteres Werken im Wald verwendet werden können. Um den Kindern einen bewussten Umgang damit beizubringen, entwickelte ein Pädagoge die Idee des „Messerführerscheins“. Um diesen zu erwerben, beginnen die Kinder mit einer Theorieeinheit. Sie schauen sich das Messer gemeinsam mit dem Pädagogen an, lernen verschiedene Begriffe kennen und besprechen, welche Regeln im Umgang mit einem Messer wichtig sind. Dann können sie in der Eins-zu-eins-Begleitung des Pädagogen das Schnitzen ausprobieren. Wenn das Kind einen sicheren Umgang mit dem Messer beherrscht und es die Regeln rund um das Schnitzen verstanden hat und sich an den abgesprochenen Umgang hält, bekommt es den Messerführerschein. Wer den Messerführerschein hat, darf von nun an das Messer am Natur-Tag an einer Schnur bei sich tragen und unter Aufsicht im Wald schnitzen.

Lernen mit Kopf, Herz und Hand – Verantwortung und Gemeinschaft erfahren

Der Natur-Tag verknüpft das Bildungs- und Entwicklungsfeld „Natur und Umwelt“ mit „Erschaffen“, aber auch mit „Gemeinschaft“. Im Umgang mit Werkzeug lernen die Kinder, die Wichtigkeit von Regeln und deren Einhaltung kennen. Außerdem lernen sie Verantwortung zu übernehmen. Dazu fördert der Umgang mit Werkzeug auch die Konzentration, die Feinmotorik und das Einschätzen der eigenen Kraft. Außerdem macht das Kind mathematische Erfahrungen, zum Beispiel beim Abmessen der richtigen Länge der Äste. Und das Kind lernt dabei, sein Handeln zu planen. Während des Natur-Tages erlebt sich jedes Kind in der Gemeinschaft und lernt dadurch, was es bedeutet, Teil einer Gruppe zu sein. Dazu gehört es, sich in die Gruppe einzufügen und an Regeln zu halten, sich mit seinen Bedürfnissen und Ideen mitzuteilen, sich abzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Auch mal zurückstecken zu müssen oder Misserfolge auszuhalten ist ein Lernprozess in einer Gemeinschaft, aber auch gemeinsame Erfolge zu erleben – zum Beispiel mit vereinten Kräften ein großes Tippi zu bauen!

Von Nina-Marie Wilhelm aus dem element-i-Kinderhaus Glems-Igel

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