Quereinstieg mit Herz und Kreativität: Flavia Giaimis hat ihren Weg von der Kunst in die Pädagogik gefunden – und bringt seitdem frischen künstlerischen Wind in das element-i Kinderhaus Junges Gemüse. Als Quereinsteigerin verbindet sie ihre Leidenschaft für Kunst mit ihrer Liebe zur Arbeit mit Kindern. Ihre Erfahrung zeigt, wie ästhetische Bildung Kinder in ihrer emotionalen, sozialen und kognitiven Entwicklung stärkt. In ihren Projekten dürfen die Kinder frei experimentieren, fühlen und gestalten. Ein Beispiel dafür ist ihr Impuls „Mit Farben fühlen – Kreative Begegnungen mit Van Gogh“. Das Projekt verbindet Kunst, Bewegung und Emotion auf ganzheitliche Weise miteinander.
Flavia, kannst du kurz erzählen, welchen beruflichen Weg du bisher gegangen bist und wie deine Ausbildung im künstlerischen Bereich dich geprägt hat?
Ich habe am Kunstinstitut und an der Universität Kunst studiert. Für mich ist Kunst mehr als ein ästhetischer Ausdruck – sie ist eine Sprache der Emotionen. Diese Erfahrung hat mein Denken und Arbeiten stark geprägt und mir bewusst gemacht, wie tief Kunst die Persönlichkeit und Wahrnehmung eines Menschen beeinflussen kann.
Was hat dich dazu bewegt, von der Kunst in die pädagogische Arbeit mit den Kindern zu wechseln?
Während meiner Arbeit mit Kunst habe ich gemerkt, wie stark kreative Prozesse Menschen berühren und verbinden. Ich wollte dieses Potenzial nicht nur selbst erleben, sondern mit Kindern teilen. Die Arbeit in der Pädagogik ermöglicht mir, Kreativität als Weg zu nutzen, Kinder in ihrer Entwicklung und Selbstentfaltung zu unterstützen.
Was fasziniert dich besonders an der Arbeit im Kinderhaus – und was möchtest du Kindern durch deine Erfahrungen aus der Kunst mitgeben?
Mich fasziniert, wie ehrlich und spontan Kinder reagieren. Sie sind offen, neugierig und experimentierfreudig. Ich möchte ihnen zeigen, dass sie durch Farben, Formen und Bewegung Gefühle ausdrücken und sich selbst entdecken können.
Warum hast du dich bewusst für element-i entschieden? Was spricht dich an unserer Pädagogik an? Und was bringst du mit?
Ich habe mich für element-i entschieden, weil diese Pädagogik das Kind als aktiven und selbstständigen Menschen sieht. Lernen entsteht hier durch Neugier, Bewegung und Kreativität – das entspricht meiner Haltung. Ich finde es schön, dass Kinder bei element-i ihre Ideen frei einbringen dürfen und Lernen als freudigen, sinnlichen Prozess erleben.
Ich sehe mich als Begleiterin, die Kinder ermutigt, eigene Wege zu gehen. Mein künstlerischer Hintergrund hilft mir, kreative Räume zu gestalten, in denen sie forschen, gestalten und fühlen können.
Wie ist die Idee zu „Mit Farben fühlen – Kreative Begegnungen mit Van Gogh“ entstanden und wie hast du das Projekt mit den Kindern umgesetzt?
Die Idee entstand aus meiner Liebe zur Kunst und dem Wunsch, Kinder Kunst mit allen Sinnen erleben zu lassen. Und Van Gogh war ideal, weil seine Werke Emotion, Bewegung und Farbe verbinden. Ich wollte die Kinder ermutigen, Gefühle durch Farben auszudrücken und ihre Kreativität frei zu entfalten. In so einem Fall ist der Umsetzungsprozess offen und schlussendlich vielfältig dank der Ideen von den Kindern.
Kannst du dazu mal ein Beispiel geben?
Ein Impuls entstand z. B. zu Van Goghs „Sonnenblumen“: Die Kinder sollten das Bild betrachten und durch ihre eigene Kreativität und Bewegung nachfühlen. Daher haben wir mit den Farben gespielt, indem wir mit Händen gemalt und die Farben dabei vermischt haben. So lernten die Kinder die Welt der Primär- und Sekundärfarben kennen. Die neu enstandenen Farben haben wir mit Objekten verknüpft und mit Gefühlen verbunden. Außerdem haben wir einen Bewegungskreis “erfunden”, bei dem auch Teamarbeit und aufmerksames Zuhören gefördert sowie Reaktionsfähigkeit und strategisches Denken entwickelt wurden. Die Kinder reagierten mit großer Begeisterung und Neugier und wurden so Teil des Kunstwerks. Dazu haben wir viel geredet und ich habe ihnen von Van Gogh, seinen Werken und die Kraft der Farben erzählt.
Was würdest du aus diesem Projekt in zukünftige Bildungsimpulse übernehmen? Gibt es etwas, das du anders gestalten würdest?
In Zukunft möchte ich diesen ganzheitlichen Ansatz beibehalten und noch stärker Musik und Sprache einbeziehen, um den Ausdruck der Kinder weiter zu fördern.
element-i steht für Autonomie, Freude am Lernen und Resilienz. Wie hast du diese Prinzipien in deinem Projekt konkret erlebt?
Im Projekt konnten die Kinder frei entscheiden, wie sie mit Farben und Materialien arbeiten wollten – das stärkte ihre Autonomie. Freude am Lernen zeigte sich in ihrer Neugier und im gemeinsamen Entdecken. Resilienz wurde sichtbar, wenn etwas nicht sofort gelang und sie neue Wege fanden. Für mich ist es wichtig, in jedem Projekt die Leitlinien von element-i zu berücksichtigen, da sie zusammen eine ganzheitliche und gesunde Entwicklung ermöglichen.



