Von der Abstellkammer zum Kreativitäts-Hotspot – mit Kindern eine Werkstatt gestalten

Als ich nach meiner letzten Theoriephase an der DHBW wieder zurück ins element-i Kinderhaus Bengelbande kam, wollte ich mit gemeinsam mit den Kindern eine Werkstatt einrichten. Denn bisher gab es im Kinderhaus nur eine rustikale Abstellkammer im alten Schuppen. Mit der Übernahme der Raumgestaltung begann für mich eine spannende Reise – von Staub und Werkzeugchaos hin zu einem lebendigen Lernort für Kinder.

Ein Raum mit Plan – und mit Kindern gedacht

Mein Ziel war klar: Die Werkstatt sollte geordnet, sinnvoll und kindgerecht sein. Sie sollte Impulse geben, Kreativität fördern und dabei so strukturiert sein, dass Kinder sie verstehen und eigenständig nutzen können. Gemeinsam mit den Kindern entstand der neue Raum Schritt für Schritt. Das bestellte Holz wurde sortiert, geordnet und beschriftet: Holzreste, Äste, Bambus – alles griffbereit, damit die Kinder wissen, was sie zur Verfügung haben, und selbst entscheiden können, womit sie arbeiten wollen.

Werkzeuge, die neugierig machen

Auch die wichtigsten Werkzeuge wie Hammer, Säge und Feile hängen nun gut sichtbar an Magnetleisten. Allein ihr Anblick lädt ein, sie auszuprobieren. Schwierigere Werkzeuge liegen weiter oben im Regal – eine einfache, aber wirksame Form der Selbstdifferenzierung. So fanden schon Zweieinhalbjährige Zugang zur Werkstatt, ohne überfordert zu sein. Das stärkte ihr Selbstvertrauen – und machte sie stolz auf das, was sie mit eigenen Händen schaffen konnten.

Auch in unseren Abschlusskreisen brachte ich Werkzeuge spielerisch ein: Wir sangen über Hammer und Säge, lernten ihre Namen und Funktionen. Neugier und Begeisterung führten die Kinder dann von der Musik direkt in die Werkstatt. Gerade die Jüngsten wollten einfach malausprobieren, wie ein Hammer funktioniert oder wie man etwas sägt. Schnell entstanden erste kleine Werke – manchmal nur symbolisch, manchmal schon erstaunlich realistisch.

Vertrauen statt Verbote

In der Werkstatt wurde nicht nur gebaut, sondern auch gelernt: Bei Holzgirlanden zu Weihnachten übten Kinder den Umgang mit dem Tellerbohrer, beim Muttertags-Nagelbild das Hämmern. Am Naturtag sammelten wir draußen Stöcke für neue Projekte, und vor dem Pirat:innen-Sommerfest bauten wir Schatztruhen – inklusive Scharnieren und Schrauben. So verbanden sich Kreativität, Handwerk und Gemeinschaft auf ganz natürliche Weise.

In der Werkstatt gilt ein einfaches Motto: „Probiere es aus – und wenn du es kannst, brauchst du mich nicht mehr.“ Diese Haltung führte zu Selbstvertrauen und echtem Verantwortungsgefühl.
Dass ein vierjähriges Kind bei uns mit einem Akkuschrauber umgehen kann, sorgt außerhalb des Kinderhauses oft für Staunen – bei uns ist es selbstverständlich.

Natürlich braucht eine Werkstatt Regeln – aber sie müssen Sinn ergeben. Statt Vorgaben zu machen, frage ich am Ende jeder Einheit: „Wie soll die Werkstatt aussehen, wenn ihr morgen hereinkommt?“ Die Kinder klären selbst, wer was aufräumt oder wo etwas hingehört. Mit der Zeit entstanden von ganz allein Rituale: Gehörschutz wird geteilt, Hämmer gerecht verteilt, das Fegen am Ende wird zur Ehre statt zur Pflicht. So wird Ordnung nicht auferlegt, sondern gelebt.

Mehr als ein Raum

Heute ist die Werkstatt nicht nur ein Ort zum Bauen – sie ist ein Ort des Miteinanders, der Ideen und der Kultur. Die Kinder kennen und verstehen sie, fühlen sich verantwortlich und gestalten sie immer weiter. Und ich? Ich freue mich jeden Tag über das schönste Kompliment, das man von den Kindern bekommen kann: „Kann ICH heute in die Werkstatt?!“

Pio Lachendro, DHBW-Student, element-i Kinderhaus Bengelbande

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