Resilienz (Teil 2): Risiko- und Schutzfaktoren

Anknüpfend an den ersten Teil, möchte ich in diesem Artikel mit Ihnen gemeinsam auf die Bedeutung von Risiko- und Schutzfaktoren schauen. Zur Erinnerung: Die risikoerhöhenden Bedingungen führen zu einer Verwundbarkeit und die risikomildernden fördern und unterstützen die Resilienz des Kindes. Beide stehen selbstverständlich in Wechselwirkung und werden nicht nur durch die Arbeit der Pädagogen in den Einrichtungen beeinflusst.

In diesem Zusammenhang wird ganz allgemein zwischen Risikofaktoren unterschieden,

  • die von Geburt an die Resilienz negativ beeinflussen, wie eine Frühgeburt oder chronische Erkrankung,
  • die durch die Interaktion mit der Umwelt entscheidend werden, wie eine unsichere Bindungsorganisation,
  • und die durch Stressoren aus der psychosozialen Umwelt des Kindes bedingt sind, wie Armut oder ungünstige Erziehungspraktiken der Eltern.

Auch im Bezug auf die Schutzfaktoren gibt es Unterscheidungen. Sie sind zurückzuführen auf:

  • individuelle Eigenschaften des Kindes, wie intellektuelle Fähigkeiten,
  • mikrosoziale Faktoren in der direkten Umwelt des Kindes, wie der Zusammenhalt, die Stabilität und konstruktive Kommunikation innerhalb der Familie,
  • Faktoren innerhalb des Makrosystems, wie klare, transparente und konsistente Regeln in den Bildungsinstitutionen.

Faktoren in der Kita

Da unsere element-i Einrichtungen zum Makrosystem der Kinder zählen, ist das der Ansatzpunkt unserer pädagogischen Arbeit. Es folgen einige Beispiele, wie unsere Pädagogen die Resilienz bei Kindern fördern können. Gleichzeitig möchte ich zur Reflektion unserer Arbeit anregen.

Es braucht ein wertschätzendes Klima in der Kita, gekennzeichnet durch Respekt, Wärme und Akzeptanz gegenüber dem Kind. Wichtig sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auch fürsorgliche und kompetente Erwachsene außerhalb der Familie, die Sicherheit vermitteln, Vertrauen fördern und als positive Rollenmodelle fungieren. In welchen Situationen schaffe ich das gut und wann fällt mir das schwer (z.B. durch (Körper-)Sprache, Partizipation, (Selbst- und Fremd-)Reflektion eigener Arbeit, etc.)?

Außerdem benötigt das Kind passgenaue Bildungsangebote und -impulse. Dazu braucht es einen Überblick über folgende Fragen: Welche Zone der nächsten Entwicklung liegt vor dem Kind und welches pädagogische Handeln folgt daraus (z.B. durch element-i Bögen in allen Bildungsbereichen und Reisepässe)?

Faktoren außerhalb der Kita

Darüber hinaus ist eine gute Zusammenarbeit mit dem Elternhaus und anderen sozialen Institutionen förderlich. Wie gut und oft ist der Austausch mit den Eltern in meiner Einrichtung (z.B. durch Tür- und Angelgespräche, regelmäßige Gespräche zum Entwicklungsstand, Elternveranstaltungen, etc.)?

Weiterhin braucht das Kind positive Freundschaftsbeziehungen. Letztlich können durch sie Basiskompetenzen und damit Resilienzfaktoren der Kinder gefördert werden. Dazu zählen unter anderem Selbstwahrnehmung, Empathie, kreatives und kritisches Denken, Selbstwirksamkeit, Kommunikationsfähigkeit, Selbststeuerung, Soziale Kompetenz, Umgang mit Stress und Problemlösefähigkeit. Wie fördere ich diese Kompetenzen in meinem Bildungsbereich? Neben den naheliegenden Bildungsbereichen, wie Sprache und Sozialem Miteinander, zählen dazu beispielsweise auch Bewegung, Spiel und Sport in Bezug auf Körpersprache oder Konstruktion und Mechanik in Bezug auf das Unterstützen von Problemlösefähigkeit.

Bestimmt haben Sie gerade festgestellt, wieviel Sie davon im Alltag bereits umsetzen. Und doch ist Ihnen vielleicht an der einen oder anderen Stelle noch eine neue Idee gekommen. Oder es ist Ihnen nun klarer, warum die element-i Bögen oder die Elterngespräche auch unter dem Blickwinkel der Resilienz so wichtig sind.

Fröhlich-Gildhoff, Klaus; Rönnau-Böse, Maike (2014): Resilienz. Ernst Reinhardt: München/Basel

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