Gewaltfreie Kommunikation

Kommunikative Kompetenzen können für Kinder einen erheblichen Schutzfaktor bedeuten. Denn Sprachfähigkeiten sind auch ein Schlüssel zu sozialen Interaktionen. Somit ist eine gelungene Kommunikation auch für die Konfliktbearbeitung von grundlegender Bedeutung.

Doch bevor Kinder das verbale Verhandeln ausprobieren und allmählich zu beherrschen lernen, kommunizieren sie ihre Wünsche nonverbal. Handeln kommt in der Regel vor dem verbalen Verhandeln. Sie kennen alle die Situationen im Alltag, in denen Körpersprache direkter sein kann als langes Reden: zum Beispiel bei Streitigkeiten um Spielmaterialien. Da gibt ein Kind der Spielpartner*in eins auf die Nuss, damit er/sie das Objekt der Begierde loslässt. Manche Kinder beißen, wenn sie keine sprachliche Form finden oder noch keine zur Verfügung haben, um sich Raum zu verschaffen oder eine emotionale Anspannung zu lösen.

Um die Kommunikationsfähigkeit von Kindern zu fördern, braucht es, besonders bei Konflikten, eine differenzierte Beschreibung des Geschehens beziehungsweise die Darstellung der eigenen Sichtweise. Durch die folgenden Fragestellungen wird eine differenzierte, nicht wertende Beschreibung der Handlungen möglich:

  • Was ist geschehen?
  • Wer war denn dabei?
  • Warum, denkst du, ist es so abgelaufen?

Auch Fachkräfte müssen sich selbst fragen, wie sie kommunizieren und wie sie vor allem gewaltfrei kommunizieren. Es geht dabei um eine Kommunikationsform, die auf Wertschätzung und Anerkennung beruht – nicht um das Anwenden einer Technik. Diese gilt es sowohl zum Sprechen, als auch beim Zuhören zu nutzen. Vier Komponenten der gewaltfreien Kommunikation mögen Ihnen als Rahmen dienen:

  1. Beobachtung ohne Bewertung – konkrete Handlungen beschreiben, die unser Wohlbefinden beeinträchtigen: Was habe ich beobachten können? Was hören wir andere sagen, was andere tun?
  2. Gefühle ausdrücken – in Verbindung mit dem, was wir beobachten: Was fühle ich, wenn ich diese Handlung beobachte?
  3. Bedürfnisse erkennen und akzeptieren – unsere Bedürfnisse, Werte und Wünsche, usw. aus denen diese Gefühle entstehen: Warum fühle ich so?
  4. Bitten aussprechen – konkrete Handlungen, um die wir bitten möchte, damit sich unsere Lebensqualität verbessert: Was möchte ich vom anderen?

Ideen zur Selbstreflexion:

Wie können Sie kommunikative Kompetenzen bei Kindern fördern? Wie gehen Sie mit Konflikten auf Kinderebene um?

Wie kommunizieren Sie aktuell im Team und mit den Eltern? Was bedeuten die vier Komponenten der gewaltfreien Kommunikation für Ihre Arbeit? Gibt es weitere Instrumente, die Sie zur Kommunikation nutzen?

In welchen Bereichen (Kinder, Team, Eltern) haben Sie schon Kompetenzen und können andere unterstützen? In welchen Bereichen sehen Sie Entwicklungspotential?

Welche konkreten Ziele ergeben sich für Sie daraus?

Wir würden uns über Ihre Erfahrungen und Beispiele von Best Practice im Alltag freuen. Schreiben Sie uns einfach einen Kommentar.

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Denise Samuel und Franziska Pranghofer
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