Kinderschutz bei element-i und die neuen Herausforderungen während der Pandemie

Der folgende Beitrag bietet Ihnen einen Einblick in die Arbeit der Kinderschutzbeauftragten im TrägernetzwerkDabei wird zunächst das Arbeitsfeld mit Bezug zur element-i Pädagogik beschrieben. Darüber hinaus gilt es, die besonderen Herausforderungen in Pandemiezeiten zu beleuchten. 

Was bedeutet Kinderschutz? 

Kinderschutz ist ein weit gefasster Begriff, unter dem sowohl rechtliche Regularien und Rahmenbedingungen verstanden werden als auch Maßnahmen, die Kinder vor schädigenden Einflüssen oder Handlungen schützen sollen. Dazu gehören ÜbergriffeAusbeutungaltersunangemessene Behandlung, Misshandlung oder Missbrauch, Verwahrlosung, Armut oder auch unzureichender Schutz vor Krankheit. Seit vielen Jahren beschäftigt sich das Konzept-e Trägernetzwerk mit dem Thema Kinderschutz und hat das Arbeitsfeld fachlich eingebunden. Mit der Erarbeitung des pädagogischen Konzepts wurden zum einen schützende Aspekte in Raum- und Einsatzplanung bedacht. Zum anderen wurde die Stelle einer Spezialistin für Kinderschutz geschaffen. Im Jahr 2016 habe ich diese Stelle als Teilzeitkraft übernommen, im Laufe der Zeit wurde eine Vollzeit- und Stabsstelle daraus 

Es ist mir ein Anliegen, über meine Arbeitsgebiete aufzuklären und die Arbeit im Kinderschutz sichtbar zu machen und die pädagogischen Kräfte für ihren Alltag zu stärken. Hauptsächlich schule und berate ich unsere Kita-Teams rund um die Themen Kindeswohlgefährdung, Vorgehen bei dem Verdacht einer Kindeswohlgefährdung und angemessenem Verhalten des pädagogischen Personals. Es erreichen mich jedoch nicht nur interne Anfragen. Mitunter werden auch Anfragen von Eltern an mich herangetragen. Oder es gehen Beschwerden rund um das Thema Kinderschutz ein. Jede Anfrage bzw. Beschwerde wird ernst genommen und geprüft.  

Für mich wie auch für das Trägernetzwerk bedeutet Kinderschutz vor allen Dingen Prävention: Kinder stark zu machen und sich als wertvoll zu erleben, als Menschen, die den gleichen Wert haben wie Erwachsene, die ganz allein über ihren Körper entscheiden dürfen, die ernst zu nehmen und anzuhören sindPrävention bedeutet auch, gemeinsam mit den Kindern nach Lösungen zu suchen, anstatt sie zu übergehen, weil das Erklären eines Zusammenhangs nicht möglich oder zu anstrengend erscheint 

Ein großes Ziel der element-i Pädagogik ist es, mit Kindern gemeinsam ein Zusammenleben zu gestalten, in dem Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft keine Kriterien für den Wert eines Menschen sind; ein Zusammenleben in einer Gesellschaft, in der es auf jeden einzelnen ankommt, egal ob groß oder klein. Wie wir dem Ziel näherkommen wollen und wie wir in Pandemiezeiten mit Prävention und Kinderschutz umgehen, das möchte ich im Folgenden erläutern.  

Kinderschutz in den element-i Einrichtungen 

In der element-i Pädagogik ist Kinderschutz, wie bereits angedeutet, mehr als dem gesetzlichen Auftrag den der §8a im SGB VIII Folge zu leisten. Wir legen – wie im Gesetz formuliert – großen Wert darauf, dass Kinderschutz bedeutet zu beobachten, wie es Kindern im heimischen Umfeld und in den element-i Kitas bzw. Schulen geht, und im Falle von Auffälligkeiten zu reagieren. Wir achten darüber hinaus besonders darauf, wie wir Kinder stark machen können – stark für die Kita und für die Welt außerhalb unserer Kitas und Schulen. 

SGB VIII: Der § 8a aus dem achten Sozialgesetzbuch (SGB) gibt Fachkräften vor, dem Jugendamt bei jedem Anlass zur Sorge, dass das psychische wie auch physische Wohl eines Kindes jetzt oder in Zukunft gefährdet sein könnte, eine Meldung zu erstatten. Ebenso ist eine „insoweit erfahrene Fachkraft“ hinzuziehen. Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Fachkräfte trägt dazu bei, alles Erdenkliche dafür zu unternehmendas Wohl des Kindes zu sichern.

Dabei legen wir zum einen im alltäglichen Arbeiten Wert darauf, die Kinder zu Wort kommen zu lassen, zu fragen, ob wir sie wickeln dürfen, also ihre Grenzen zu wahren  nicht nur die physischen Grenzen, sondern auch die emotionalen oder kognitiven Grenzen der Kinder. Kinder zu befähigen, Partizipation zu leben und sich als Teil eines großen Ganzen zu erleben, wo es auf jeden einzelnen ankommt, ist unser oberstes Ziel. Dies fördern wir durch die eigenständige Gestaltung einer Kinderkonferenz, die Entscheidung jedes Kindes darüber, welchen Impuls es besuchen will, Mitsprache bei der Gestaltung von Sing- und Erzählkreisen. In Zeiten wie diesen, in denen die Rechte der Kinder lange nicht im Vordergrund standen, sehen wir es als oberste Priorität, Kindern eine Stimme zu geben und, soweit es uns durch das Infektionsgeschehen möglich ist, alltäglich zu leben. Dass sie sich bilden können an- und miteinander. 

Zum anderen leben wir unseren Bildungsbereich Menschsein in der Welt mit einer (großen) Selbstverständlichkeit. Wir unterstützen Kinder dabei, ein Selbstkonzept zu entwickeln. Dazu gehören Fragen wie „Was kann ich schon?“, „Was kann ich noch nicht?“ und „Wie könnte ich das, was ich noch nicht kann, erreichen?“. Wir sprechen mit den Kindern über die Unterschiede, die das Menschsein ausmachen – und berücksichtigen dabei nicht nur über körperliche Merkmale wie Hautfarbe oder Geschlechtsmerkmale. Wir leben Toleranz, motivieren Kinder, ein klares „Nein“ zu formulieren, wenn sie einer anderen Person eine Grenze aufzeigen möchten. Wir begleiten sie dabei, ebenso das „Nein“ einer anderen Person zu respektieren. Das bedeutet, wir nehmen Kinderihre Themen und individuellen Lebensgeschichten an, ihre Talente und Interessen, aber auch ihre Besonderheiten.  

Wir fördern an zahlreichen kleinen und auch größeren Stellen im Tagesverlauf den Selbstwert der Kinder wie auch die Selbstwirksamkeit, wenn wir die Kinder Dinge ganz alleine tun lassen. Das kann das selbstständige Ankleiden sein – egal wie lange es dauert oder ob das T-Shirt am Ende auf links ist. Das kann die Frage danach sein, ob ein Kind heute lieber Müsli oder Brot isst oder die Mahlzeit auslässt. Das kann die Moderatorenrolle in der Kinderkonferenz sein, wenn das Kind sich diese Aufgabe zutraut. 

Prävention in Pandemiezeiten 

Wir wollen in den element-i Kinderhäusern und Schulen auch neue“ Fragen, Sorgen und Ängste der Kinder ernst nehmen. Durch ein neuartiges Virus war es plötzlich nicht mehr möglich, Oma und Opa zu sehen. Und auch wenn Erwachsene sich bemühen, das Weltgeschehen von Kindern fern zu halten, so geht es doch tief in die kleinen Kinderherzen und muss besprochen und bearbeitet werden. In den Kohorten ergeben sich neue Settings, in denen die pädagogischen Fachkräfte genauso sensibel wie im Offenen Konzept auf die einzelnen Kinder eingehen können und mit ihnen ihre Sorgen und Fragen besprechen.  

Manche Kinder waren über Wochen und Monate ausschließlich im häuslichen Umfeld. Zurück im Kita-Alltag ergeben sich Fragen, die beantwortet werden wollen, Sorgen und Ängste, die eine zugewandte Zuhörer*in brauchen, mit der man sich auf die Suche nach Lösungen machen darf. Es mag Kinder geben, die erfreuliche Entwicklungssprünge in der Zeit zu Hause gemacht haben und die im Kita-Alltag begeistert bemerkt werden. Es mag Kinder geben, die sich wenig entwickelt haben oder bei denen Sprachrückstände beobachtet werden. All diese Themen brauchen ein aufmerksames Team, das mit den Kindern und den Eltern gemeinsam arbeitet.  

Um den Schutzaspekt auf Seiten der pädagogischen Fachkräfte weiter zu gewährleisten, wurden und werden Qualitätswerkstätten in Online-Formaten angeboten: zu Zusammenarbeit im Team, Feedbackkultur, „Was tun bei Auffälligkeiten? u.a.m. Gesteuert werden die Qualitätswerkstätten durch Barbara Schmieder, die besonders den Bereich „Zusammenarbeit im Team“ verantwortet, und mich. Wir unterstützen die Pädagoginnen und Pädagogen bei den Herausforderungen, die durch COVID 19 entstanden und andere sein mögen als vor der Pandemie. 

element-i Kinderhäuser sollen auch weiterhin Orte sein, „an denen Kinder zu ihrem Recht kommen, mit gleichen Chancen für jedes Kind. Dass sie in aller Freiheit spielen können und sie selbst werden. Dass sie begleitet werden, getröstet, wenn das Leben weh tut (aus: Wort zum Tag, Wolf-Dieter Steinmann, 21.07.2020 SWR1). 

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Franziska Pranghofer
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Kommentare

  • Arda ÇELİK, 21. Januar 2021 Antworten

    „an denen Kinder zu ihrem Recht kommen, mit gleichen Chancen für jedes Kind. Dass sie in aller Freiheit spielen können und sie selbst werden. Dass sie begleitet werden, getröstet, wenn das Leben weh tut“ die Aussage ist ganz richtig.

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