„Es kommt auf mich an!“

Wie oft schon haben Sie diesen Satz gelesen oder gehört, diskutiert und überlegt, was der Satz für Sie bedeutet? Mir erscheint der Satz in immer neuem Licht. Es lohnt sich, das Herzstück unserer Konzeption wiederholt zu lesen und darüber nachzudenken. Es lohnt sich, im Team oder mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es lohnt sich, das eigene Handeln daran ausrichten. Das ist – wie das folgende Beispiel zeigt – nicht ganz so einfach, wie es klingen mag, aber sehr gut möglich.
Als sich unsere Bundeskanzlerin am 18.3.2020 an die Bevölkerung wand, hat sie nicht genau die Formulierung aus der element-i Konzeption benutzt (wie sollte sie auch? Sie kennt die element-i Konzeption sehr wahrscheinlich nicht). Jedoch hat sie inhaltlich die unserer Konzeption innewohnende Idee in ihrer Ansprache aufgegriffen. Sie sagte: „Es kommt ohne Ausnahme auf jeden Einzelnen und damit auf uns alle an.“
Toll, nicht wahr? In dem Moment, als der Satz fiel, habe ich mich gefreut, dass wir in unserer wunderbaren und freiheitsfördernden Konzeption genau diese Idee in den Mittelpunkt stellen.
Die Idee, dass der innerlich freie Mensch in seinem täglichen Tun autonom handelt und gleichzeitig Verantwortung für sein Handeln übernimmt, diese Idee ist großartig, post-modern, zukunftsorientiert. Genau mein Ding!
Ok, ich gebe zu, dass die Idee zu dem Zeitpunkt von Merkels Ansprache und in den Tagen danach nicht wirklich aufgegangen zu sein schien. In München sind die Menschen am 20.3. zuhauf in den Englischen Garten gegangen, haben sich und das gute Wetter gefeiert. Als Südtirol zum Risikogebiet erklärt wurde, sind die Menschen zuhauf ins südliche Italien gefahren. Die beiden Gruppen sowie andere an anderen Orten haben damit ihren bitteren Beitrag zur Verbreitung des Virus geleistet.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht? Ich überlege in diesen Tagen noch häufiger als sonst, was ich tue, wie ich es tue und warum. Und ich diskutiere meine Überlegungen gern mit den Menschen um mich herum: zum Beispiel mit meiner Tochter, die bereits zwei Wochen im Office at Home weilt und es zunächst nicht glauben konnte, dass ich noch durch die Lande fahre, um zu arbeiten. Keine Sorge: Sie versteht mein Handeln und hat großes Vertrauen in meine Entscheidungen – so wie ich in ihre. Und sie hat darüber nachgedacht, wie sie ihren Beitrag für ihr Unternehmen anpasst: autonom und verbunden.
Meine Entscheidung, ein Team bei der Planung für die nächste Zeit zu unterstützen, weil die Teamleitung erkrankt ist, ist kein Altruismus. Ich möchte meine Arbeit – auch in Corona-Zeiten – weiter und gut machen. Und ich denke nach, wie ich das verantwortungsbewusst, mutig und sorgsam tun kann. Ich schütze mich und halte Abstand. Ich verzichte auf schöne Abende mit Freund*innen. Ich nutze mein Telefon oder andere technische Mittel noch häufiger als sonst. Ich vertraue darauf, dass eines meiner Geschwister meine alten Eltern versorgt. Ich darf mein Engagement an dieser Stelle ruhen lassen. Ich fahre weiter an Orte, an denen meine Anwesenheit nützlich ist und gebraucht wird. Ich engagiere mich weiter auf vielfältige Weise – online und persönlich vor Ort. Ich bin solidarisch mit denen, die dort ihre Leistung bringen, wo sie sinnvoll ist und das System unterstützt. Ich respektiere die Menschen, die ängstlich sind, und mache ihnen Mut, Engagement und Achtsamkeit, Autonomie und Verbundenheit zu vereinen.
Im Orientierungsplan von Baden-Württemberg sind Verbundenheit und Autonomie zentral verankert. In unserer element-i Konzeption beschreiben wir die beiden Leitlinien ausführlich neben Gesundheit, Freude am Lernen und Resilienz. Autonomie drückt sich – vereinfacht gesagt – in dem Satz aus: „Ich tue, was ich will, und will, was ich tue.“ Das bedeutet: Ich habe die Folgen meines Handelns bedacht, ich kann und möchte diese Folgen verantworten. Verbundenheit drückt sich aus in dem Satz: „Ich tue, was ich zugesagt habe.“ Hierin stecken Verlässlichkeit und Verbindlichkeit eines Menschen. Sie als Pädagog*innen sind für die Kinder in unseren Kitas verlässliche Begleiter*innen, ein sicherer Hafen. Für die Eltern sind Sie die ersten Ansprechpartner*innen und oftmals auch Berater*innen.
Eltern und Kinder werden in diesen Tagen und Wochen vor eine große Herausforderung gestellt. Die meisten von ihnen betreuen ihre Kinder zu Hause – das ist auch ihre Pflicht. Für einige Tage ist die Betreuung zu Hause sicherlich einfach zu leisten. Aber was tut man den ganzen lieben Tag, wenn der Spielplatz nicht betreten werden darf, wenn Schwimmbad, Zoo und Sportstätten geschlossen sind, kein Ausflug an wimmelige Orte möglich ist?
Haben Sie Ideen gesammelt, wie wir den Eltern und den Kindern unsere Verbundenheit zeigen können? Können die Eltern Portfolio-Seiten zu Hause erstellen? Wie können sie sich – mit unserer Unterstützung – untereinander online austauschen? Was würden Sie sich wünschen, wenn Sie sich in die Eltern und Kinder hinein versetzen? Teilen Sie Ihre Gedanken und Spielideen! Schreiben Sie den Eltern oder auch den Kolleg*innen in anderen Häusern. Lassen Sie uns die viralen Möglichkeiten nutzen. Ganz im Sinne des Mottos, das die Kanzlerin formuliert hat: „Es kommt ohne Ausnahme auf jeden Einzelnen und damit auf uns alle an.“

Christina Henning, München

Christina Henning
Autor*in

Kommentare

  • Eike Ostendorf-Servissoglou, 10. Juni 2020 Antworten

    Kompliment, liebe Frau Henning! Ein toller, sehr anrührender Beitrag, den ich mit Gewinn gelesen habe.

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