Ernährung von Kleinstkindern in der Kita

In altersgemischten Gruppen sind immer wieder sehr junge Kinder, die sich im Übergang von Säuglingsnahrung hin zu allgemeiner Kost befinden. Diesem Übergang im Aufwachsen eines Kindes kommt eine hohe Bedeutung zu, eine intensive und passende Begleitung durch die pädagogischen Fachkräfte ist nötig. Dieser Artikel wird daher verschiedene Aspekte rund um die Ernährung von Kleinstkindern beleuchten, auch den Umgang mit Muttermilch.

Vor der praktischen Umsetzung der Essensituation für Kleinstkinder steht der Austausch mit den Eltern des Kindes. Absprachen mit Eltern zum Thema Ernährung eines Kleinstkindes sind wesentlicher Bestandsteil der Elternkommunikation. Über die Eltern erhält die Einrichtung Informationen über den aktuellen Entwicklungsstand des Kindes, dessen Vorlieben und Gewohnheiten und kann so einschätzen, wie die Mahlzeiten im Alltag gestalten werden können. Folgende Fragen sollten besprochen werden:  

  • Wie wurde das Kind bisher zu Hause ernährt? 
  • Wie oft finden Mahlzeiten im häuslichen Rahmen statt? So erhalten die pädagogischen Fachkräfte Auskunft darüber, wann das Kind in der Einrichtung eine Mahlzeit benötigt. 
  • Hat der Übergang hin zu fester Nahrung bereits begonnen?  
  • Kann das Kind uneingeschränkt an den Mahlzeiten im Kinderhaus teilnehmen, oder wird spezielle Nahrung benötigt?  
  • Gibt es Besonderheiten, die zu beachten sind, z.B. zeigt das Kind eine Neophobie? 

Die Antworten der Eltern bestimmen den Rahmen für das weitere Vorgehen in der Kita. In den ersten Kita-Wochen, die ein Kleinstkind in der Einrichtung verbringt, ist es sinnvoll, auf die gewohnte Nahrung des Kindes zurückzugreifen. Gerade für Kinder, die sich im Übergang zwischen flüssiger und fester Nahrung befinden, ist die gelingende Gestaltung der Essensituation unerlässlich.  

So gilt es, sich stets zu vergegenwärtigen, dass es sich hier um eine hoch sensible Phase handelt, die für Kinder mit einer Vielzahl an neuen sinnlichen Erfahrungen verbunden ist. Die Entwicklung der Mundmotorik von Lippen und Zunge und des gesamten Kiefers führen schließlich hin zur selbständigen Fähigkeit des Kauens und Schluckens. In diesen Momenten brauchen die Jüngsten intensive Begleitung, eine geschützte Atmosphäre und gegebenenfalls Utensilien, um gleichzeitig das selbstständige Essen mit allen Sinnen und/oder mit ersten Hilfsmitteln zu üben. Lebensmittel für Kleinstkinder sollten unter Umständen entsprechend zerkleinert werden, jedoch nicht mehr zu Brei verarbeitet werden. Brot kann zum Beispiel in kleinen Stücken – auch mit Kruste – gegessen werden. Es sollte zusätzlich darauf geachtet werden, dass Kinder eine sichere und stabile Sitzposition einnehmen können. Insgesamt sollte bei Mahlzeiten eine angenehme Atmosphäre geschaffen werden. 

Welche Besonderheiten gibt es nun bei der Auswahl der Speisen im Kinderhaus für die Köche und das pädagogische Team zu beachten? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung stellt Themenkomplexe heraus, die im Alltag des Kinderhauses Beachtung finden sollten.  

  • „Kohl, Hülsenfrüchte etc.: Auf die Verköstigung mit derartigen Bestandteilen muss nicht gänzlich verzichtet werden. Da sie jedoch blähend wirken können, ist ein schonende Einführung das Mittel der Wahl.  
  • Scharfkantige, runde oder harte Lebensmittel: Da Nüsse, Weintrauben, Heidelbeeren oder ähnliche Lebensmittel für Kinder nur schwer zu kauen sind, besteht eine verstärkte Möglichkeit des Verschluckens. Daher sollte diese Lebensmittel ausschließlich zerkleinert zur Verfügung gestellt werden, bis die Kaumuskulatur der Kinder entsprechend ausgebildet ist“ (Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2020, S. 57). 
  • Auf den Einsatz gezuckerter Speisen sollte im Umgang mit Kleinstkindern verzichtet werden. Hier kommt es vor allen Dingen auf den Dialog mit den Köch*innen an, damit stets eine adäquate Alternative für die Kinder zur Verfügung gestellt werden kann.  
  • Obst und Gemüse sind fester Bestandteil aller Mahlzeiten im Kinderhaus. Hier empfiehlt es sich, ein Verhältnis von 1/3 Obst und 2/3 Gemüse anzustreben (vgl. element-i Ernährungskonzept für Kinderhäuser 2013, S. 14f) 

Mahlzeiten in altersgemischten Gruppen bieten für die Kinder aller Altersklassen vielfältige und spannende Möglichkeiten, um eine eigene Ernährungsidentität zu entwickeln. Jedoch sollten die Besonderheiten im Umgang mit Kleinstkindern sensibel behandelt werden. Das kann dazu führen, dass (zeitlich begrenzt) ein eigener und sicherer Rahmen für die Jüngsten geschaffen wird oder das Essen in Kleingruppen organisiert wird. Es empfiehlt sich darüber hinaus, stets im Gespräch mit den Mitarbeiter*innen in der Küche zu sein. So stellen die pädagogischen Mitarbeiter*innen sicher, dass die Mahlzeiten der Kleinstkinder altersangemessen stattfinden können und das Nahrungsangebot zum Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes passt.  

Umgang mit Muttermilch

Wie bereits oben angedeutet, kann auch der Umgang mit Muttermilch für Teams und Mitarbeiter*innen ein Thema sein. Die Stillkommission des Bundesinstituts für Risikobewertung hat dazu Empfehlungen formuliert und ein Merkblatt entwickelt. Zur Annahme von Muttermilch ist Folgendes zu berücksichtigen:  

  • Die zur Abgabe in der Kita bestimmte Muttermilch kann frisch und gekühlt oder gefroren sein. Aufgetaute Muttermilch ist für die Abgabe in der Kita nicht geeignet, weil sie besonders schnell verbraucht werden muss.
  • Bei der Annahme der Muttermilch achtet die Betreuungsperson darauf, dass die Babymilchflaschen in einer sauberen Kühltasche mit mehreren dazwischen gelegten Kühlelementen angeliefert wurden. 
  • Frische Muttermilch sollte am Anlieferungstag oder am Vortag gewonnen worden sein, damit sie noch eine ausreichende Lagerreserve aufweist (Bundesinstitut für Risikobewertung 2017, S. 1).  
  • Die Flaschen sollen fest verschlossen, äußerlich sauber und mit dem Namen des Kindes sowie dem Abpumpdatum beschriftet sein. Bei Abweichungen kann die Betreuungsperson die Annahme der Muttermilch verweigern. 

Und wie soll Muttermilch aufbewahrt werden? Dazu empfiehlt die Stillkommission: 

  • Die angenommene Muttermilch wird sofort in einem sauberen Kühlschrank (< +5 °C) gelagert (um die Vermehrung von Bakterien zu vermeiden, nicht bei höheren Temperaturen und nicht in der Kühlschranktür, sondern in der kältesten Zone nahe der Rückwand). 
  • Die im Kühlschrank gelagerte Muttermilch sollte nur am Anliefertag verfüttert werden, danach ist sie zu entsorgen. 
  • Gefroren angelieferte Muttermilch kann bis zum Auftauen auch bei –18 bis –22 °C gelagert werden, sofern in der Kita ein geeignetes Tiefkühlgerät vorhanden ist. 
  • Ein separates Kühl- bzw. Tiefkühlgerät ist für die Lagerung der Muttermilch nicht nötig, sofern sichergestellt ist, dass keine Verschmutzung durch andere Lebensmittel erfolgt. 
  • Bei einem Anstieg der Lagertemperatur auf +15 °C oder darüber ist die Muttermilch jedoch sofort zu entsorgen.   
  • Um eine Verwechslung der Muttermilch und eine Verschmutzung der Babymilchflaschen zu vermeiden, ist für die Lagerung im Kühl- bzw. Tiefkühlgerät eine individuell gekennzeichnete Box empfehlenswert. 
  • Ein Umschütten der Muttermilch sollte wegen der Gefahr der Verunreinigung vermieden werden“ (Bundesinstitut für Risikobewertung 2017, S. 2). 

Was ist vor dem Trinken und beim Erwärmen der Muttermilch zu bedenken? Dazu empfiehlt die Stillkommission: 

  • Das Kind kann die Milch bei Zimmertemperatur oder erwärmt trinken (meist wird Körpertemperatur bevorzugt).  
  • Sofern die Muttermilch erwärmt werden soll, erfolgt dies erst unmittelbar vor dem Verfüttern. 
  • Das Erwärmen erfolgt schonend, entweder schnell unter fließendem warmem Wasser (max. 37 °C) oder in einem Flaschenwärmer mit Warmluft, jedoch nicht im Wasserbad (Keimvermehrung im Wasser). Von einer Erwärmung in der Mikrowelle ist abzusehen. 
  • Erwärmte Muttermilch wird sofort verfüttert. Sie darf nicht aufbewahrt werden, weil sich sonst Bakterien vermehren könnten. Reste einer erwärmten Muttermilchmahlzeit müssen entsorgt werden (Bundesinstitut für Risikobewertung 2017, S. 2). 

Mahlzeiten beinhalten so viel mehr als die Aufnahme von Nahrung. Und besonders für die Jüngsten brauchen Pädagog*innen ein umfassendes Wissen, damit für Kleinstkinder ein angemessener Rahmen – geschützt und gleichzeitig offen für Exploration und Lernen – geschaffen wird. 

Literatur: 

element-i (2013): Ernährungskonzept für Kinderhäuser. Stuttgart  

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2020) (Hrsg.): DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas. 6. Auflage. Bonn 

Bundesinstitut für Risikobewertung (2017): Hinweise zum Umgang mit Muttermilch in der Kita oder Tagespflege. Merkblatt für die Kita und Tagespflege. Abrufbar unter: https://www.bfr.bund.de/cm/350/hinweise-zum-umgang-mit-muttermilch.pdf (letzter Aufruf 19.2.2021)

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Jakob Hesselschwerdt
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