„Wadde hadde du de da?“

Wer erinnert sich nicht mehr an den kuriosen Auftritt Stefan Raabs beim Grandprix (oder hieß der damals schon Eurovision Song Contest?) im Jahr 2000? Zum Songtitel in Babysprache inspiriert wurde der Entertainer nach eigener Aussage, als er im Park einer älteren Dame mit Hund begegnete. Weil das Tier etwas Undefinierbares im Maul hatte, fragte die Halterin: „Wadde hadde du de da?“  

Hundebesitzer reden mit ihren Tieren oft wie mit Babys. Und ja: Studien zeigen wohl, dass vor allem Welpen aufmerksamer und anhänglicher sind, wenn man in einer übertrieben hohen Stimmlage und in einfachen Silben mit ihnen spricht. Aber gilt das auch für die ursprünglichen Adressaten der Babysprache? Und schaden wir mit „dudu“ und „dada“ womöglich sogar dem Spracherwerb unseres Nachwuchses? 

Kindgerichtete Sprache fördert den Spracherwerb

Nein, sagt die Wissenschaft. Wer sich einem Säugling gegenüber sieht, verfällt fast automatisch in diese Sprechweise. Und das sei auch gut so. „Eltern, die [die so genannte] kindgerichtete Sprache anwenden, fördern den Spracherwerb ihrer Kinder“, schreibt ein Team um Roberta Michnick Golinkoff von der University of Delaware in den Current Directions in Psychological Science 

Denn die Unterschiede zwischen kind- und erwachsenengerichteter Sprache finden sich in verschiedener Ausprägung quer durch alle Kulturen. Diese interkulturelle Ähnlichkeit weist darauf hin, dass diese Form der Ansprache gegenüber Säuglingen biologisch wohl tief verwurzelt ist. Womöglich reichen ihre Ursprünge sogar weiter zurück als die der menschlichen Sprache.  

Babys lernen Worte leichter

Was die Wissenschaftler allerdings nicht genau sagen können, ist, warum Babysprache den Spracherwerb unterstützt. Daher drücken sie es lieber so aus: „Die Frage ist nicht, ob kindgerichtete Sprache eine Rolle für die Sprachentwicklung spielt, sondern wie und wann.“ 

In einer Studie im Fachmagazin Royal Society Open Science argumentiert ein Team um Marina Kalashnikova von der Western Sydney University, die speziellen Lautäußerungen gegenüber Säuglingen hätten sich bereits in vorsprachlicher Zeit in dem Bestreben entwickelt, weniger bedrohlich auf einen Säugling zu wirken. Im Zuge der Evolution der menschlichen Sprache sei dann ein weiterer Effekt dazugekommen: Babys verstehen und erlernen Worte leichter, wenn sie sie in kindgerichteter Sprache hören. 

Diese Lernerleichterung halten viele Wissenschaftler dagegen nicht bloß für einen Nebeneffekt, sondern für den ursprünglichen Sinn der Babysprache. So ergab eine Untersuchung von Kindern, die im Alter von einem Jahr viel Babysprache gehört hatten, dass sie mit zwei Jahren einen größeren Wortschatz hatten als Gleichaltrige, mit denen zuvor ganz normal gesprochen wurde.  

Abwechslung und positive Emotionen

Kommen wir nochmal zurück zu der Frage, ob Babys Babysprache überhaupt mögen. Und hier können wohl die meisten Eltern aus Erfahrung sagen: Ja, das tun sie. „Einige Studien zeigen, dass Babys die kindgerichtete Sprache bevorzugen“, bestätigt auch Bettina Braun, Leiterin des Babysprachlabors der Uni Konstanz. Sie spielt Kleinkindern aus Lautsprechern verschiedene Sätze vor – mal in Baby- mal in Erwachsenensprache. Das Abspielen endet, sobald sich das Kind vom jeweiligen Lautsprecher abwendet – ein Zeichen für nachlassende Aufmerksamkeit. Dazu kommt es im Fall der Erwachsenensprache häufiger und schneller. 

Grundsätzlich kann man also sagen: Babysprache erleichtert Babys den Erwerb der Sprache, weil die Struktur einfacher und die Laute übertrieben artikuliert sind. Dazu kommen die positiven Emotionen, die mit der Babysprache transportiert werden. Aber es kommt wohl auch auf die gesunde Mischung in der Kommunikation mit dem Kleinkind an – der geschieht im Alltag zum Glück weitgehend automatisch. Denn Mama und Papa reden anders mit dem Kind als Oma und Opa, und Geschwister, Erzieher oder Freunde haben noch einmal ihre eigene Art der Kommunikation. Das Baby freut’s und das wiederum fördert ihre Aufmerksamkeit. So können sie Sprache viel besser aufnehmen. 

Mehr von Christian Klar

Christian Klar
Autor

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.