Was sind Widerstandsressourcen?

Bezugnehmend auf den Beitrag „Was ist Gesundheit?“  nehmen wir heute das Thema „Widerstandsressourcen“ unter die Lupe: Was sind diese Ressourcen? Besitze ich diese? Kann ich diese „erlernen“?

Energie ist ständig erforderlich

Nach Sichtweise der Salutogenese machen Belastungen und Stress ein Teil unseres Lebens aus. Ein Leben ohne Hürden gibt es nicht. Das können Sorgen um die Familie sein, Ärger im Beruf, Schwierigkeiten mit anstehenden Herausforderungen, Aufregungen über unvorhergesehene Vorfälle etc. In der Literatur wird oft die Metapher eines Flusses gewählt, um die Idee der Salutogenese zu erläutern. So wie der Fluss sich durch die Landschaft schlängelt, seinen Lauf bei einem im Weg befindlichen Fels ändert, so passen auch wir Menschen uns an Veränderungen an. Wir kommen nicht „einfach so“ gesund durch den Fluss oder an seinem Ufer entlang. Der Mensch muss Energie aufwenden, um den Kopf über Wasser zu halten, und lernen, gut in den unwägbaren Fluten zu schwimmen. Da mag es Flussabschnitte geben, in denen das Schwimmen nur wenig Mühe erfordert, und solche, in denen man sich abstrampelt, Hindernisse beseitigen oder umschwimmen muss. Oder solche Abschnitte, in denen man neue Techniken braucht, um nicht zu ertrinken, und so schwierige, unvorhersehbare und unbekannte Situationen meistern kann. Ganz ohne Bewegungen und Mühe jedoch wird es nicht gehen. Es muss also ständig Energie aufgebracht werden.

Widerstandsressorcen machen uns resistent

Menschen – so die Annahme des Konzepts – „bleiben nicht von selbst in einem gleich bleibenden Zustand von Gesundheit, der nur von gelegentlichen Störungen unterbrochen wird, sondern sie sind fortdauernd mit neuen Anforderungen konfrontiert, die Anpassungsleistungen und aktive Bewältigung erfordern. Die Mittel und Wege zur Bewältigung von Anforderungen und Stress werden im salutogenetischen Konzept Widerstandsressourcen genannt. Je mehr Widerstandsressourcen einer Person zur Verfügung stehen, desto weniger kann der Stress der Gesundheit schaden, weil diese Person immer wieder die Erfahrung macht, dass sie den Stress meistern kann und ihm nicht hilflos ausgeliefert ist.“ (Franke/Witte 2009, S. xx)

Jeder Mensch kann Einfluss nehmen

Widerstandsressourcen sind in jedem Einzelnen, wie auch in dessen Umfeld und in der Gesellschaft zu finden. Um im Bild des Flusses zu bleiben: Sowohl der Lauf des Flusses mit seinen Stromschnellen oder ruhigen Passagen als auch die individuellen Schwimmfertigkeiten entscheiden darüber, wie eine Strecke bewältigt wird. Die individuellen Widerstandsressourcen sind von entscheidender Bedeutung – dies sind z.B. Wissen, Selbstsicherheit, Problemlösefähigkeit, Humor, Gelassenheit, Willensstärke. Und auf diese Eigenschaften kann jeder Mensch einen gewissen Einfluss nehmen. Nicht wenige Menschen erleben darüber hinaus ihren Glauben als eine wichtige Ressource, andere schöpfen Kraft aus ihren sozialen Beziehungen, dem Zusammensein mit ihren Freund*innen oder der Familie. Auch Hobbys, Urlaub, Zeit für sich, Spaziergänge in der Natur, der Besuch eines Museums, der Beruf als Berufung oder ausreichender Schlaf können als Widerstandsressource wirken.

Welche dieser Ressourcen stehen Ihnen zur Verfügung und wie tragen Ihre persönlichen Ressourcen dazu bei, dass Sie sich stark oder schwach, gesund oder krank fühlen? Machen Sie sich Gedanken, wo Sie sich in einem Kontinuum von gesund bis krank momentan befinden. Was müsste geschehen, dass Sie sich gesünder fühlen und sich Ihre Einschätzung verbessern würde? Welche Ressourcen können Ihnen dabei helfen? Gibt es Ressourcen, die Sie bei Ihren Mitmenschen schätzen und von denen Sie lernen können? Ich freue mich auf Ihre Gedanken, Ideen, Rückmeldungen in den Kommentaren.

Franke, Alexa; Witte, Maibritt (2009): Das HEDE-Training – Manual zur Gesundheitsförderung auf Basis der Salutogenese. Huber: Bern

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Barbara Schmieder
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