Lego? Lego!

Zwei Kollegen treffen sich in einem Bauzimmer:

Luca: „Schau mal, da kam wieder eine große Ladung neuer Legos. Die gibt es ja mittlerweile für alle Altersgruppen: Lego Baby für die Jüngsten, Lego duplo für die Anfänger und das richtige Lego für die Großen!“

Kim: „Ja und? Was ist daran toller als an normalen Holzklötzen oder sogar Naturhölzern?“

Luca: „Naja, jedes Kind kann damit schon in Berührung kommen und auf einfachste Weise bauen. Und zwar auf dem jeweils passenden Niveau.“

Kim: „Aber was lernen denn die Kinder dadurch, gerade die Kleinen schon im jungen Alter?“

Luca: „Zum Beispiel das Aufeinanderstapeln.“

Kim: „Das können die Kinder doch mit Holzklötzen auch. Die lassen sich sogar viel einfacher aufeinander stapeln und müssen nicht erst in der richtigen Position festgedrückt werden.“

Luca: „Aber dafür hält es bei Lego durch die Verzahnungen viel besser. Türme und Mauern aus Holzbausteinen fallen doch viel schneller um!“

Kim: „Genau, so wie in der Realität. Welche Maurerziegel haben denn solche Verzahnungen? Die werden doch auch meist mit Mörtel oder so festgemacht. Ich finde es wichtig, dass die Kinder so direkt ein Gefühl für Statik und Stabilität eines Bauwerks erhalten. Das geht mit Lego nicht.“

Luca: „Hm, aber mit Lego kann man viel größere Bauwerke in verschiedenen Dimensionen und Ebenen bauen, da wir ja auch verschiedene Platten und unterschiedlich große Teile haben.“

Kim: „Vielleicht fällt den Kindern mit anderen Baumaterialien aber auch was Kreatives ein, wie man unterschiedliche Ebenen herstellen kann und in höheren Dimensionen baut. Was meinst du? Hierfür gibt’s ja auch viele Möglichkeiten, die man als Material platzieren könnte. Da kann man auch die Phantasie und den Ideenreichtum der Kinder ansprechen und aufgreifen. Das geht halt mit Lego in seinen vorgefertigten Formen definitiv nicht! Ich finde es außerdem angenehmer, dass Holzbausteine u.ä. eine „echte“ Struktur haben, wenn ich sie anfasse: Von rau über glatt und manchmal auch wellig. Besonders Natursteine mag ich. Das Plastik der Lego-Steine fühlt sich haptisch für mich so unecht an, für die Kinderhände bestimmt auch.“

Luca: „Aber Legos sind deutlich stabiler und können auch rumgeworfen werden, ohne dass dabei was kaputt geht oder man böse getroffen wird. Und die vielen verschiedenen bunten Farben finde ich gerade für Kinder sehr ansprechend. Die haben es gern bunt.“

Kim: „Das liegt im Auge des Betrachters. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Farben Kinder eher übermäßig fordern, sie bieten wenig Ruhe fürs Auge. Ich habe schon Kinder dabei beobachtet, wie sie verzweifelt nach Legos in einer bestimmten Farbe gesucht haben, weil die Mauer noch nicht ganz fertig, aber eben einfarbig werden sollte. Oder dass Kinder feststellen, dass die Farbe, die noch da war, nicht zu dem gepasst hat, wie es tatsächlich in der Realität aussieht.“

Luca: „Es gibt so viel anderes Zubehör, was man passend machen kann. Die Männchen, die es dazu gibt, sehen doch zum Beispiel prima aus. Alle mit einem freundlichen Gesicht …“

Kim: „… und fixierten Händen und Gliedmaßen, die, wenn überhaupt, in zwei Richtungen bewegbar sind. Das halte ich für nicht sehr realistisch. Da sind wir wieder bei den vorgefertigten Formen, die wenig Vorstellungskraft provozieren. Da bieten ja zum Beispiel die kleineren Puppen, die biegsam sind, bessere Möglichkeiten, finde ich. Ich bleibe jedenfalls bei den Holzklötzen in unserem Bauzimmer in der Kita. Die hat vielleicht nicht jedes Kind zu Hause. Damit bleiben sie etwas Besonderes. Lego gibt’s vermutlich in jedem Kinderzimmer.“

Wie sehen Sie die Diskussion? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in der Nutzung von Lego für die Kinder? Welche Argumente der Gegenseite können Sie nachvollziehen, welche nicht? Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Thema gerne in die Kommentare!

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Anja Burger
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