Wenn das Kind die ersten eigenen Wege geht: Tipps für die erfolgreiche Eingewöhnung in der Kita

Ich bin ein Kind der Siebziger. Als ich damals in den Kindergarten gehen musste – und ich sage ganz bewusst „musste“, gab es Tränen und Geschrei. Denn zu meiner Zeit wurden Kinder noch mehr oder weniger unvorbereitet in den Kindergarten gesteckt. Nach einigen Wochen war es dann okayIch möchte die Zeit im Kindergarten deshalb nicht komplett schlecht reden, schließlich habe ich auch schöne Erinnerungen an meine Zeit dort. Allerdings haben wir heute durch die Erkenntnisse aus der Bindungsforschung zum Glück ein ganz anderes Verständnis für die Kinderseele und deren Trennungsschmerz. Im Lauf der letzten drei Jahrzehnte haben sich verschiedene Eingewöhnungspraktiken entwickelt und die meisten Einrichtungen setzen auf eine umfassende Eingewöhnung. 

Tipp 1: Loslassen 

Denn eines ist unumstritten: Die Eingewöhnung in der Kita ist der erste und ein wichtiger Einschnitt im Leben für Eltern und Kind. Die Eingewöhnung ist nichts weniger als das erste Abnabeln, ein Prozess des Loslassens für beide Seiten. Für das Kind ist der Schritt in den Kindergarten der erste auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Es kann mit anderen Kindern spielen, neue Freunde außerhalb des Wohnumfelds finden und ist für einige Stunden von Mama und Papa getrennt. Für die Eltern wiederum ist es nicht immer so leichtdas geliebte Kind gehen zu lassen. Und das muss man sich erst einmal eingestehen – selbst, wenn die rationalen Vorteile auf der Hand liegen: mehr Zeit für sich selbst, um beispielsweise in den Job zurückzukehren oder ein Studium zu beginnen, Zeit für soziale Kontakte außerhalb von Mutter-Kind-Gruppen oder einfach zum Ausruhen.  

Tipp 2: Ein gutes Gefühl geben

Aber wie kann ich als Elternteil meinem Kind die Eingewöhnungszeit in der Kita so einfach und schön wie möglich machen? Und welche Methoden nutzen gute Einrichtungen? Vielleicht vorab der beste Rat für ElternKinder haben sehr sensible „Antennen“ für die Gefühlswelt ihrer Eltern. Auch wenn sie noch nicht alles in passende Worte packen können, spüren sie doch, wenn etwas nicht in Ordnung istHat die Mama aber ein gutes Gefühl bei der Sache, fühlt sich das Kind ebenfalls sicher und wohl. Daher ist es wichtig, dem Kind von Anfang an ein gutes Gefühl mitzugeben, wenn es in den Kindergarten gehtDabei zählen weniger rationale Argumente, warum es die Kita gut finden soll, vielmehr muss es spüren und fühlen, dass die Mama es gerne gehen lässt.  

Tipp 3: Das richtige Eingewöhnungsmodell finden 

Damit Eltern ihr Kind mit einem guten Gefühl für einen gewissen Zeitraum in die Obhut anderer, ja zunächst fremder Menschen gebensollte vor der Eingewöhnung ein gemeinsames Gespräch zwischen Eltern und Einrichtung stattgefunden haben. Die Eltern werden dort über den Ablauf und die Gegebenheiten der Einrichtung informiert und gleichzeitig stellen die Erzieher*innen Fragen zu den bisherigen Erfahrungen und Bedürfnissen des Kindes. 

Das Eingewöhnungsmodell von element-i Einrichtungen ist an das so genannte Berliner Modell angelehnt. Es stellt die Beziehung zwischen Kind und Eingewöhnungserzieher*in in den Mittelpunkt. Im Unterschied zu früher muss das Kind nicht einfach in der Einrichtung verbleiben, sondern kann Stück für Stück seine Beziehung zum/r Erzieher*in aufbauen. Mama oder Papa sind zunächst aber weiterhin als Bezugsperson in Reichweite. Erst nach einem gewissen, vorab besprochenen Zeitraum erfolgt dann der erste, kurzzeitige Trennungsversuch. Transparenz für die Eltern und die Reaktion des Kindes auf den Trennungsversuch sind dann ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der Eingewöhnung.  

Das Berliner Modell unterscheidet vier Phasen: die Grundphase, den Trennungsversuch, die Stabilisierungsphase und die Schlussphase. Diese vier Phasen zusammen ergeben eine Eingewöhnungszeit von 14 Tagen bis zu ca. vier Wochen. 

Die element-i Pädagogin Anja Burger hat sich in ihrem Blog intensiv mit dem Thema Eingewöhnung auseinandergesetzt und die beiden bekannten Eingewöhnungsmodelle, das Berliner und das Münchner Modell, miteinander verglichen. Wer sich hier fachlich tiefer einlesen will, dem sei der Artikel wärmstens ans Herz gelegt. 

Fazit

Aber eines ist klar: Es gibt keinen Königsweg, mit dem es immer und überall problemlos funktioniert. Dazu spielen viel zu viele Faktoren eine Rolle. Wichtig ist, dass sich Eltern Zeit für die Phase der Eingewöhnung nehmen. Das beste Konzept kann nicht greifen, wenn nicht alle Beteiligten gleichermaßen daran arbeiten. 

In diesem Sinne viel Kraft und Geduld und vor allem Lust, diesen ersten, so wichtigen Schritt des Kindes in die eigene Mündigkeit und Selbstständigkeit zu begleiten!  

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Christian Klar
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